🌱 Dem eigenen Kind in der Schule wieder Vertrauen schenken: Wo anfangen?

👨‍👩‍👧 Elternratgeber 📅 21. September 2026⏱️ 5 Minuten LesezeitKidibook Redaktion
Ein Elternteil begleitet sein Kind bei einer Schulaktivität

„Ich kann das nicht.“ Dieser Satz fällt mitten in einer Übung oder nach der Schule. Sie möchten Ihr Kind sofort beruhigen. Um das Selbstvertrauen Ihres Kindes in der Schule zu stärken, können Sie ganz einfach beginnen: Zuhören, was passiert ist, eine konkrete Schwierigkeit erkennen und gemeinsam einen nächsten, machbaren Schritt suchen. Es geht nicht darum, das Problem zu leugnen oder jeden Abend in eine Nachhilfestunde zu verwandeln.

Dem Kind wieder Vertrauen schenken: Erst zuhören

„Du wirkst enttäuscht. Was war heute schwierig?“ Mit dieser Frage geben Sie Ihrem Kind Raum, mit eigenen Worten zu erzählen. Ein Kommentar von einem Mitschüler, eine unklare Anweisung oder eine nicht beendete Aufgabe brauchen nicht immer dieselbe Antwort. Entscheiden Sie nicht vorschnell, dass das Problem an zu wenig Arbeit, Müdigkeit oder der Klasse liegt.

Sie können Ihrem Kind in einem Punkt Sicherheit geben, ohne seine Gefühle zu diskutieren: „Diese Aufgabe war schwierig, aber sie sagt nicht alles über dich aus.“ Wenn Ihr Kind nicht reden möchte, schlagen Sie vor, später weiterzusprechen. Es ist nicht nötig, sofort eine vollständige Erklärung zu bekommen, sobald der Schulranzen abgestellt ist.

Versuchen Sie, das Gehörte zusammenzufassen: „Du konntest anfangen, hast dich dann aber bei diesem Schritt verloren, stimmt das?“ So prüfen Sie, ob Sie es richtig verstanden haben. Das Gespräch bezieht sich auf eine konkrete Situation, nicht auf ein Etikett wie „schlecht in Mathe“ oder „nicht schulisch“.

Vom „Ich bin schlecht“ zu einer konkreten Schwierigkeit

Nehmen Sie ein aktuelles Beispiel – mit Einverständnis Ihres Kindes. Lassen Sie es zeigen, was es schon versteht, und dann, wo es unsicher ist. Bei einer Anweisung kann das ein unbekanntes Wort sein. Beim Lesen ein nicht erkannter Laut. Bei einer Textaufgabe liegt die Schwierigkeit vielleicht schon vor dem Rechnen: zu wissen, was gesucht wird.

Beschreiben Sie, was Sie beobachten: „Du hast die Informationen gefunden, aber wir wissen noch nicht, welche Rechenart wir wählen sollen.“ Diese Feststellung hilft mehr als: „Siehst du, das ist doch einfach!“ Was für Sie selbstverständlich ist, kann für Ihr Kind trotzdem schwierig bleiben. Vergleichen Sie nicht mit Geschwistern oder Mitschülern.

Kidibook-TippZiehen Sie auf einem Blatt zwei Spalten: „Das kann ich schon“ und „Dabei brauche ich Hilfe“. Notieren Sie je ein Beispiel in den Worten Ihres Kindes. Das ist keine Bewertung, sondern ein Startpunkt für die nächste Übung.

Ein kleines Ziel wählen, um Vertrauen zu stärken

„In Französisch besser werden“ ist zu allgemein für den heutigen Abend. Besser ist eine kurze, konkrete Aufgabe, die zum Unterricht passt. Das Ziel sollte Ihr Kind selbst erklären können und zu seinem Stand passen. Eines reicht – falls es zu schwer ist, können Sie es mit der Lehrkraft besprechen.

Zu allgemeine AufgabeKonkretes Ziel zum AusprobierenWas man beobachten kann
„Verbessere dein Diktat.“Zwei Wörter aus der im Unterricht gegebenen Liste auswählen und erklären, was daran schwierig ist.Das Kind erkennt die Buchstaben, bei denen es unsicher ist.
„Lies besser.“Ein paar Zeilen auf passendem Niveau lesen, mit Unterstützung bei schwierigen Wörtern.Ein Wort oder Laut wird erkannt, das noch geübt werden muss.
„Pass in Mathe besser auf.“Bei einer Textaufgabe die Frage vor dem Rechnen noch einmal in eigenen Worten wiedergeben.Das Kind sagt, was gesucht wird, auch wenn es noch Hilfe braucht.
„Sei selbstständig.“Das Material für eine Aufgabe vorbereiten und dann gezielt um Hilfe für einen bestimmten Schritt bitten.Man erkennt, was das Kind alleine schafft und wobei es Unterstützung braucht.

Diese Beispiele sind keine Pflichtaufgaben. Wählen Sie das, was wirklich zur Arbeit Ihres Kindes passt. Wenn es auf ein Hindernis stößt, verkleinern Sie die Aufgabe oder fragen Sie, wie es im Unterricht damit umgeht. Einfach länger an derselben Aufgabe zu üben, ist nicht die einzige Möglichkeit.

Ein Elternteil und ein Kind bereiten gemeinsam Material für eine kurze Lerneinheit vor
Eine einzige Aufgabe zu wählen, hilft, genau zu beschreiben, was geübt werden soll.

Veränderungen loben – nicht nur das Ergebnis

Statt „Toll, du bist ein Genie!“ können Sie sagen: „Du hast die Frage vor dem Start noch einmal gelesen“ oder „Du hast deinen Fehler erkannt und verbessert“. Das Lob bezieht sich auf eine echte Handlung – und gilt auch, wenn die Aufgabe noch nicht ganz fertig ist.

Würdigen Sie auch die Mühe, wenn sie noch nicht reicht: „Du hast diese Methode ausprobiert, aber dieser Punkt ist noch schwierig. Lass uns schauen, wie man um Hilfe bittet.“ Loben heißt nicht, so zu tun, als wäre alles gelungen. Sie können herzlich und trotzdem konkret sein.

Halten Sie kleine Fortschritte fest: ein Satz, der leichter gelesen wurde, oder eine Anweisung, die besser verstanden wurde. Vermeiden Sie es, daraus ein Familien-Ranking zu machen. Der Fortschritt Ihres Kindes zählt im Vergleich zu früher – nicht zu anderen.

Kidibook-TippFragen Sie am Ende einer Übung: „Was hat dir heute geholfen?“ Sie können die Antwort auf dem Ziel-Blatt notieren. Wenn Sie danach eine passende Übung suchen, schauen Sie sich die Vorstellung vom Kidibook-Abo an und prüfen Sie, ob es zu den Bedürfnissen Ihres Kindes passt. Ein Übungsheft ersetzt aber nicht das Gespräch mit der Lehrkraft.

Die Arbeitsweise anpassen, ohne den Abend zu verlängern

Fragen Sie Ihr Kind, wie es vorgeht – nicht als Verhör, sondern interessiert. Liest es die Lektion einfach noch einmal? Versucht es, sie zu erklären? Versteht es die Aufgabenstellung? Von hier aus können Sie eine kleine Änderung ausprobieren, die zur Methode im Unterricht passt.

Zum Beispiel: Nach dem erneuten Lesen eines kurzen Abschnitts bitten Sie Ihr Kind, zu erzählen, was es behalten hat, und prüfen es gemeinsam. Bei einer Übung lassen Sie Ihr Kind den ersten Schritt erklären, statt gleich die Lösung zu geben. Wenn es nicht weiterweiß, nehmen Sie das Beispiel aus dem Heft oder notieren Sie die Frage für die Lehrkraft.

Machen Sie aus dieser Hilfe keine endlose Sitzung. Unser Ratgeber zur Dauer der Hausaufgaben in der Grundschule hilft, die Arbeit zu beobachten und ein Gespräch vorzubereiten. Wenn Ihr Kind sich grundsätzlich verweigert, finden Sie im Ratgeber Mein Kind will keine Hausaufgaben machen weitere Ansätze.

Gemeinsam mit der Lehrkraft an einem Strang ziehen

Kommen Sie mit konkreten Beispielen: den Worten Ihres Kindes, einer Übung und der bereits versuchten Unterstützung. Fragen Sie: „Was beobachten Sie im Unterricht? Was wäre die wichtigste Priorität? Wie kann ich helfen, ohne alles für mein Kind zu übernehmen?“ Sie suchen gemeinsam nach einem Ansatz – nicht nach einer endgültigen Lösung in einem Gespräch.

Vereinbaren Sie nach Möglichkeit ein kleines Ziel und einen Zeitpunkt, um noch einmal darüber zu sprechen. Wenn die Schwierigkeiten anhalten, fragen Sie nach, welche Unterstützungsmöglichkeiten es in der Schule gibt. Versuchen Sie nicht, selbst eine Diagnose zu stellen. Bei großer Sorge sollten Sie zeitnah mit einer passenden Fachkraft sprechen, ohne erst alle Tricks ausprobiert zu haben.

Ein Elternteil spricht mit einer Lehrerin im Beisein des Kindes
Ein konkretes Beispiel hilft, das Gespräch mit der Lehrkraft vorzubereiten.

Auch Platz für anderes als Schule lassen

Gemeinsame Zeit muss kein Übungsfeld sein: Kochen, Malen, Basteln oder Lesen zum Vergnügen kann einfach eine schöne Aktivität bleiben – ganz ohne Bewertung. Ihr Kind darf etwas mögen, ohne darin besonders gut sein zu müssen.

Achten Sie bei der Abendgestaltung auch auf Ruhephasen und Übergänge. Wenn das Beenden eines Videos den Wechsel zu einer anderen Aktivität erschwert, finden Sie Anregungen in unserem Artikel zum Umgang mit Bildschirmzeiten. Ein perfekter Zeitplan ist nicht nötig: Fangen Sie mit einer machbaren Anpassung an und beobachten Sie gemeinsam, was sich verändert.

Möchten Sie diese Tipps in die Praxis umsetzen?

Jeden Tag ein neues Abenteuerheft, angepasst an die Klasse Ihres Kindes – zum Ausdrucken oder am Bildschirm bearbeiten. Ohne Verpflichtung.

Ihre Fragen

Was antworte ich, wenn mein Kind sagt: „Ich bin schlecht“?

Fragen Sie, was schwierig war, und hören Sie sich das Beispiel an. Sie können die Enttäuschung anerkennen, ohne das Urteil zu übernehmen: Diese Aufgabe sagt nicht alles über Ihr Kind aus. Greifen Sie das Gespräch später noch einmal auf, falls Ihr Kind nicht sofort reden möchte.

Sollte ich zusätzliche Übungen geben, um das Selbstvertrauen zu stärken?

Nicht automatisch. Versuchen Sie zuerst zu verstehen, wo genau es hakt und was in der Klasse gerade wichtig ist. Ein kleines, passendes Ziel kann für die Übung reichen; fragen Sie die Lehrkraft um Rat, wenn die Aufgabe unerreichbar bleibt.

Wie kann ich ermutigen, ohne Fehler zu übergehen?

Beschreiben Sie eine konkrete Handlung: eine Anweisung noch einmal lesen, nachfragen, einen Schritt verbessern. Sie können die Mühe anerkennen und ruhig darauf hinweisen, was noch zu lernen ist.

Wann sollte ich die Schule um Hilfe bitten?

Sie können das Thema ansprechen, sobald Sie sich Sorgen machen. Bringen Sie konkrete Beispiele mit und fragen Sie, was im Unterricht beobachtet wird. Wenn die Schwierigkeiten bleiben, besprechen Sie gemeinsam mögliche Unterstützungen – ohne selbst eine Diagnose stellen zu wollen.

🎁 31 Tage 10-Minuten-Aufgaben — kostenlos

Jeden Tag eine spielerische Übung per E-Mail, von der Vorschule (GS) bis CM2, online oder als PDF zum Ausdrucken. Jederzeit abbestellbar.

Die 31 Tage starten →